Wenn die Integration an der Gesundheit hängt

Der Syrer Hasan Slwaya lernt Koch im Roten Ross in Altdorf – Dank einer Operation der Achsfehlstellung am Schienbeinkopf kann er seinen Beruf auch künftig ausüben und muss keine Schmerzmittel mehr nehmen

Der 22-jährige Syrer ist 2015 aus seinem Heimatland geflohen, hat einen festen Ausbildungsstelle als Koch, sein erstes Lehrjahr erfolgreich absolviert, sein privates Glück mit einer Deutschen gefunden und ist überglücklich, dass auch seine Familie nachziehen konnte. Allerdings stand seine Zukunft als Koch auf der Kippe – aus gesundheitlichen Gründen.

Eine extreme angeborene Achsfehlstellung, die sich in O-Bein-Form des Schienbeins gezeigt hat, hat ihm auch im Beruf Schmerzen bereitet. „Als Koch bin ich ständig in Bewegung. Ohne Operation hätte ich meinen Beruf irgendwann nicht mehr ausüben können. Schmerztabletten haben dazu gehört“, sagt Hasan. Das ist nun aber Geschichte. Prof. Dr. Dr. Wolf Drescher hat den angehenden Koch am Krankenhaus Rummelsberg erfolgreich operiert. Statt sich auf die faule Haut zu legen, will dieser in der Reha-Zeit die Integrationskurse der Bundesregierung absolvieren, damit die Chancen, über 2019 in Deutschland bleiben zu dürfen, steigen.

Dankbarkeit gegenüber Deutschland

Aktuell hat Hasan nämlich nur bis 2019 eine Genehmigung zu bleiben. „Danach kann dies verlängert werden, um ein Monat, um fünf Jahre oder für immer – wie lange, das weiß man nicht“, erklärt der Syrer. „Es gibt Regeln, so ist das eben. Um uns Flüchtlinge wird sich gut gekümmert. Die Deutschen haben sicherlich auch selber ihre Probleme mit den eigenen Leuten und sie haben trotzdem die Tür für Flüchtlinge wie mich aufgemacht“, zeigt sich Hasan dankbar. Wenn man mit ihm spricht, fällt es fast schwer zu glauben, dass der Syrer erst seit 2015 in Deutschland ist. Eine Verständigung mit ihm ist ohne Probleme möglich. In seiner Anfangszeit in Deutschland wurde er regelmäßig als Übersetzer in den Aufnahmeeinrichtungen benötigt, da er auch sehr gut Englisch spricht. „Egal, ob mittags oder nachts um drei – ich wurde oft vom Sicherheitspersonal geholt, um für arabische Flüchtlinge zu übersetzen und zu vermitteln.“ Seinen Lebensmittelpunkt sieht der Syrer aktuell in Deutschland und ist froh, dass alles so gekommen ist.

 

 

170905 Syrer
Prof. Dr. Dr. Wolf Drescher und Hasan Slwaya nach dem erfolgreichen Eingriff

Gesundheitliche Barriere aus dem Weg geräumt

Dankbar ist er auch, dass mit Prof. Drescher am Krankenhaus Rummelsberg er einen Mediziner gefunden hat, der schnell gehandelt hat und diese Art von Eingriff bestens beherrscht. „Mir war es wichtig, dass ich kurz nach Abschluss meines ersten Ausbildungsjahres operiert werden kann, damit ich nicht viel Zeit verliere und dass es dieses Mal passt“, so Hasan, der in Syrien schon mehrere Operationen in dieser Sache über sich ergehen lassen musste. Über seine Chefs vom Roten Ross in Altdorf, Ingrid und Herbert Riedner, wurde der Kontakt hergestellt. „Mein Chef meinte, dass Rummelsberg in Sachen Orthopädie das Beste wäre, was es gibt und dort diese Operation auch beherrscht wird. So bin ich hier gelandet“, erklärt Hasan. Prof. Dr. Dr. Drescher, Chefarzt der Klinik für orthopädische Chirurgie der unteren Extremitäten und Endoprothetik, holt dazu aus: „Die Achsbegradigung am Schienbeinkopf ist etwas, dass in Rummelsberg seit Prof. Wagner Tradition hat. Diese Tradition führe ich seit drei Jahren in minimalinvasiver Operationstechnik fort. Bei Herrn Slwaya haben wir die extreme Fehlstellung begradigt, indem wir die Gelenklinie gerade gestellt haben. Mit dem Eingriff haben wir ihn zudem vor einer baldigen Gonarthrose im Knie bewahrt, so dass er im Idealfall mit seinen eigenen Gelenken bis zur Rente kommen sollte.“ Und auch das persönliche Schicksal des jungen Syrers blieb Drescher nicht verborgen: „Als Mediziner macht es einen froh, wenn man helfen kann. Es freut mich, dass wir diese gesundheitliche Barriere aus dem Weg räumen konnten, so dass der gelungenen Integration nichts im Wege steht“. Der Chefarzt hat dem Patienten nun erstmal Schonung verordnet. Vier bis sechs Wochen müsse sich Hasan nun gedulden bevor er im zweiten Lehrjahr wieder hinter den Herd darf. „Natürlich fällt einem diese Pause nicht leicht, aber ich nutze die Zeit, indem ich die vorgegebenen Integrationskurse absolviere.“ Angesichts seiner guten Deutschkenntnisse sollte das für Hasan eine Hürde sein, die er leicht überspringen wird.