Wenn Vielfalt gefördert wird: Der kenianische Franke

627 Mitarbeiter aus 39 Ländern: Das Krankenhaus Rummelsberg unter der Trägerschaft der Sana Kliniken AG fördert Vielfalt und hat sich seit 2010 dazu verpflichtet, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Der Diversity-Aktionstag jährte sich nun zum fünften Mal. Wir haben uns unter den 102 ausländischen Mitarbeitern umgeschaut und sind dabei auf einen pfeilschnellen Kenianer gestoßen, der in der Region kein Unbekannter ist: Zachery Kagiri. Oder wie er sich selbst nennt: „der schwarze Franke“.

Die strahlend weißen Zähne und seine dunkle Hautfarbe sind sein Markenzeichen. Wenn Zachery Kagiri auf Station 17 Dienst hat, steigt der Spaßfaktor. „Die Patienten kennen mich, das gefällt mir. Ich werde oft für mein Lachen gelobt. Wenn ich dann noch erzähle, dass ich der schwarze Franke bin, sind die Lacher vorprogrammiert“, sagt der 32-jährige Kagiri. Von Beruf ist der gebürtige Kenianer Gesundheits- und Krankenpfleger. „Das war aber nicht immer so“, sagt er und deutet auf seine linke Hand. Beim genaueren Hinsehen wird klar, dass die Fingerkuppe am Ringfinger fehlt. Für das Militär war Kagiri freiwillig als Lagerverwalter im Sudan im Einsatz. Kurz bevor er nach Hause gekommen wäre, nachdem er sich selbst entlassen hatte, passierte das Unglück. Bei einem Angriff aufs Militärlager brach Panik aus. Eine Unachtsamkeit später trennte das Schneidegerät für Zeltprofile seine Fingerkuppe ab. „Das hätte böse enden können“, weiß Kagiri und kann nun darüber schmunzeln.  

170718 Kenianer Web
Ist einer von 102 ausländischen Mitarbeitern am Krankenhaus Rummelsberg und zeigt auf sein Herkunftsland Kenia: Zachery Kagiri.

Anfangs Arbeitserlaubnis für nur zehn Stunden pro Woche  

Über ein Austauschprogramm lernt er Deutschland kennen – und lieben. Seit sieben Jahren ist er hier. Da sein kenianisches Abitur nicht zählte, musste er wieder von vorne anfangen. Zuerst absolvierte er beim Bayrischen Roten Kreuz ein Freiwilliges Soziales Jahr, dann zog es ihn in die Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe zu einer einjährigen Ausbildung. Danach lässt er eine dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger folgen – und seit September 2016 ist er Mitglied der Rummelsberger Pflegecrew. „Mir ist wichtig, dass ich mit meiner Arbeit helfen kann“, so der Kenianer und ergänzt: „Dass dies so ist, habe ich auch der Pflegedirektion im Krankenhaus zu verdanken. Nach der Ausbildung hatte ich nämlich trotz Arbeitsvertrag anfangs nur eine Arbeitserlaubnis für zehn Stunden pro Woche.“ Egal, für Kagiri. Er ist einfach nur froh, dass er nun dauerhaft helfen kann – und das 40 Stunden pro Woche.

Im Kreis der Top-Favoriten beim B2Run

Für die Sportkenner ist Kagiri kein Unbekannter. Beim B2Run Nürnberg zählt er zu den Topfavoriten – aktuell bremst ihn aber eine Wadenverletzung aus, so dass es für ganz vorne wohl nicht reicht. „Laufen ist mein Leben“, sagt er. Anfangs ging er für den MTV Ingolstadt noch auf Titeljagd, aber der Stress mit Arbeit und Fahrerei war ihm zu kräftezehrend. Jetzt läuft er regelmäßig für die Eichenkreuz-Sportgemeinschaft Rummelsberg e.V. auf. „In Kenia wäre ich kein Läufer geworden“, betont der Wahl-Mimberger, „da ist die Konkurrenz nochmal deutlich schneller unterwegs“. 1 Stunde und 8 Minuten ist seine Bestzeit für den Halbmarathon, beim Marathon stehen 2 Stunden und 18 Minuten. Zum Vergleich: Sein Landsmann Dennis Kimetto hält den Weltrekord mit einer Zeit von 2 Stunden, 2 Minuten und 57 Sekunden. Sehr viel langsamer ist Zachery Kagiris Zeit auch nicht. Aber große Töne spuckt der kenianische Pfleger nicht. Das entspricht nicht seinem Naturell.

Austausch von Kulturen und Religionen wird befürwortet

An seinem Arbeitgeber schätzt Kagiri die Vielfalt unter den Kollegen. Für Pflegedirektorin Sabine Brase eine Selbstverständlichkeit: „Wir befürworten es, wenn Mitarbeitende im Austausch mit Kollegen und Patienten Toleranz und Wertschätzung nicht nur leben, sondern auch weitertragen und das zurückbekommen – ganz egal, welches ihr Herkunftsland ist. Zachery Kagiri ist bei uns am Haus ein Sinnbild für gelungene Integration“. Die Vielzahl der Mitarbeiter kommt aus Deutschland (525), dahinter folgen Russland (11), Serbien (9) und Rumänien (9). Aber auch aus weiter entfernten Ländern wie Somalia, Gambia und Madagaskar sind Mitarbeitende in Rummelsberg tätig. „Hier an der Klinik bringt jeder Mitarbeitende Erfahrungen, Werte und Talente in den täglichen Ablauf mit ein“, sagt Geschäftsführer Sebastian Holm. „Und gerade weil wir so mannigfaltige pflegerische und medizinische Aufgaben erfüllen, ist es auch gut, dass wir hier unterschiedliche Kulturen, Ansichten und Religionen vereinen.“ Wie bunt Rummelsberg ist, zeige auch ein Blick auf die Patienten. Die Heimatländer der 9.200 stationären und 27.000 ambulanten Patienten, die in 2016 im Krankenhaus Rummelsberg versorgt wurden, reichen von Belgien, Bulgarien und Irak bis hin zu den Vereinigten Arabischen Emiraten.